MGV LIEDERKRANZ 1863 EV BÜTTELBORN

im Jahr 153 Jahre nach seiner Gründung. Ältester Verein von Büttelborn. Jedoch mit vielen jungen Sängern und jung gebliebenen.

Bericht "Gross-Gerauer Echo" Von Marvi Mensch

LIEDERKRANZ Drei Chöre singen beim gelungenen Herbstkonzert vor begeistertem Publikum im vollbesetzten Büttelborner Volkshaus

BÜTTELBORN - Gleich drei Chöre standen am Sonntag beim Herbstkonzert des Männergesangvereins Liederkranz auf der Bühne. Neben den Liederkranz-Sängern und deren Projektchor „Herrenbesuch“ traten auch die „Weird Voices“ aus Rüsselsheim auf.

Düster und dramatisch kam der Männergesangverein Liederkranz zu Beginn seines Herbstkonzertes im voll besetzten Büttelborner Volkshaus daher. Schon äußerlich in tiefem Schwarz gekleidet, besang er den sagenhaften Kaiser Barbarossa, der, niemals verstorben, in seinem unterirdischen Schloss der Entzauberung harrt. Auch die folgenden Lieder „Ol’ man river“ und „Nobody knows“ klangen wehmütig und sind konfliktreichen Ursprungs, weil sie an die Rassendiskriminierung erinnern.

Männerchor zieht singend in den Saal ein

Dabei begrüßten die mehr als 30 Sänger ihr Publikum durchaus freudig und überraschend, als sie nicht wie erwartet auf der Bühne standen, sondern mit einem fröhlichen „Grüß Gott“ in den Saal einzogen. Waren die ersten Lieder noch der herbstlichen Stimmung gewidmet, setzte der vierstimmige Männerchor unter der Leitung von Markus Braun mit „Schneiders Höllenfahrt“ und dem Shanty „What shall we do“ deutlich positivere Akzente. Vor dem Auftritt des aus vier Sängerinnen und vier Sängern bestehenden Gastchors „Weird Voices“ aus Rüsselsheim, der beim Kreiskritiksingen ebenfalls den Titel Konzertchor erhielt, informierte Moderator Ulrich Bauer, dass nun „seltsame Stimmen“, so die deutsche Übersetzung für „Weird Voices“, auf die Bühne kommen. Wie einer der Sänger informierte, versuche der Chor bei seinen Gastauftritten stets, „emotionale Befindlichkeit und reale Umwelt“ zusammenzubringen. Für ein Herbstkonzert bedeute dies eine eher melancholische Musikauswahl mit dem Fokus auf die unerfüllte oder enttäuschte Liebe. „Can‘t buy me love“, „Come again“ oder „Je ne l‘ose dire“ trug der Chor eindringlich vor und wurde vom Publikum mit großem Applaus belohnt. Am Ende ihres ersten Auftritts gaben sich jedoch auch die „Weird Voices“ zuversichtlicher und verabschiedeten sich vorläufig mit „Wiskey in the jar“.

Hemdsärmelig und gut aufgelegt eröffnete der Liederkranz-Projektchor „Herrenbesuch“ den zweiten Teil des Konzertes. Die zehn Sänger überzeugten im Stil einer A-capella-Band mit der Ballade „Ich seh dich“ des Arrangeurs Oliver Gries und „An der Copacabana“, einer Persiflage auf Muskelmänner, und kamen nicht ohne Zugabe von der Bühne. Auch die „Weird Voices“ erinnerten im zweiten Programmteil mit „Under the boardwalk“ an sonniges Strandfeeling und unternahmen mit „Some nights“ einen Ausflug in den amerikanischen Indierock, ehe sie sich mit den Songs „Michelle“ und „Somebody that I used to know“ erneut mit der Thematik der unerfüllten Liebe befassten.

Nachdem der gemischte Chor, der ohne Chorleitung auskam, sich unter lange anhaltendem Applaus endgültig verabschiedet hatte, kamen die Gastgeber ein letztes Mal auf die Bühne. Doch ehe die Sänger noch einmal mit ihrer hohen Kompetenz glänzten und diese mit „Diplomatenjagd“, „Mambo“ und „Männer mag man eben“ eindrucksvoll bewiesen, forderte Markus Braun das Publikum mit dem Kanon „Ja Dan Duia“ zum Mitsingen auf. Nach eineinhalb Stunden hochkarätigen Chorgesangs verabschiedeten sich die Sänger nach Bravo-Rufen des Publikums mit dem „Banana Boat Song“.

Das Konzert

1. Block
MGV Liederkranz 1863 e.V. Büttelborn:
Einzug: Grüß Gott euch hier in der Runde (K: Jens Rohwer)
Der alte Barbarossa (Friedrich Silcher)
Ol man river (T: Horst-Heinz Hennig, M: Jerome Kern, Arr: Eddy Rhein)
Nobody knows (Winfried Siegler-Legel)
Schneiders Höllenfahrt (Volkslied, Arr: Alfons Burkhardt)
What shall we do with the drunken sailor (Shanty, Arr: Steinar Eielsen)

Weird Voices Rüsselsheim:
Can't buy me love (Arr. by Keith Abbs, Words and Music by John Lennon and Paul McCartney)
Come again (John Dowland)
Je ne l'ose dire (Pierre Certon)
April is in my mistress' face (Transcribed and edited by Thurston Dart, Komponist: Thomas Morley)
El grillo (Josqiun Desprez)
Abendlied (Josef Rheinberger)
Wiskey in the jar (Traditional, Arr. Carsten Gerlitz)

2. Block
„Herrenbesuch“ Projektchor des MGV Liederkranz:
Ich seh dich
(Oliver Gries)
An der Copacabana (O. Stangl)

Weird Voices Rüsselsheim:
Some Nights (Fun, Arr. Carrie Wade)
Under the boardwalk (Artie Resnick + Kenny Young, Arr. Deke Sharon + Anne Raugh)
Michelle (John Lennon + Paul McCartney, Arr. Grayston Ives)
Somebody that I used to know (Arr. Pentatonics; Gotye feat. Kimbra, arr. by David Wood)
A cappella (Kirby Shaw)

MGV Liederkranz 1863 e.V. Büttelborn:
Un poquito cantas
(Trad. Latin America, Arr: Franz M. Herzog)
Weit weit weg (Orig. Hubert von Goisern, Arr: Lorenz Maierhofer)
Diplomatenjagd (M: u. T: Reinhard Mey, Arr: Herbert Grunwald)
Mambo (M: u. T: Herbert Grönemeyer, Arr: Oliver Gies)
Männer mag man eben (Hans Unterweger)

Der Abstieg oder in vino veritas

(MGV Liederkranz mit Freunden zu Besuch in Oppenheim, Reisebericht von H.-J. Schaus)

Sehr aufgeregt telefoniert eine Oppenheimerin mit der Polizei, sie vernahm verdächtige Geräusche in ihrem Haus. Die Beamten schickten sofort einen Streifenwagen los und die Polizisten begannen umgehend damit, den mutmaßlichen Hergangsort zu untersuchen. Ein paar Augenblicke später trauten sie ihren Augen nicht. Der vor dem Haus abgestellte Streifenwagen versank langsam durch die Straßendecke, mit der Motorhaube zuerst und drohte abzustürzen. Das war im Jahr 1983, die Entdeckung des Oppenheimer-Kellerlabyrinths. Im Oktober 2015 steht eine Reisegruppe aus Büttelborn vor einer Tür in der Straße „Am Marktplatz“, in unmittelbarer Nähe zur Katharinenkirche und wagt einen Abstieg in die Unterwelt Oppenheims. Die Gruppe besteht aus über 40 Ausflüglern und wird auf zwei Führungen aufgeteilt. Weiße Hauben zur Kopfbedeckung werden ausgegeben. Wie sich die Gesichter verändern, wenn diese über das Haar gestülpt wird, Wahnsinn. Anschließend gibt es Schutzhelme. Der Gästeführer hat einen gelben, alle anderen einen grünen Helm. Einer wird auserkoren, der ebenfalls einen gelben Helm bekommt, er muss aus Sicherheitsgründen immer am Ende der Gruppe laufen, damit niemand verloren geht. Denn, die fleißigen Oppenheimer haben seit 1986 mehr als dreißig Kilometer dieser mysteriösen Tunnelanlage wieder freigelegt. Der Abstieg beginnt. Warum wir Helme tragen, wird bald klar, denn schon nach ein paar Metern hört man Geräusche, die wohl Kopfschmerzen verursacht hätten. Unser Gästeführer verstand die besondere Atmosphäre im Labyrinth, mit großem Fachwissen und kleinen Anekdoten, geschickt zu verbinden. Wir erfuhren viel, von Spitz- und Rundgewölben, von der Beschaffenheit des Untergrunds, dem Stapelrecht aus dem 15. Jahrhundert und vom berühmten „Gang nach Canossa“, von König Heinrich dem IV., der hier von Oppenheim aus, seinen Anfang nahm. Besonders interessant war die Tatsache, dass es in viele Häusern Oppenheims Zugänge zu den Katakomben gibt. Also sind diese Häuser doch irgendwie miteinander verbunden. Man stelle sich nun zur nächtlicher Stund, den einen oder anderen vorbeihuschenden Schatten vor. Wurde eigentlich seit der Freilegung der Zugänge die Geburtenstatistik Oppenheims schon einmal wissenschaftlich untersucht? Oh, manchmal schäme ich mich ein klein wenig ob meiner Fantasie. Nächster Tagespunkt „Weinbergsfahrt“. Drei Gespanne standen bereit und nach dem jeder seinen Platz gefunden hatte, gab es noch einige Informationen. Wie bei rumpelnder Fahrt der Wein, der im Planwagen verstaut war, am sichersten zu trinken sei. Der Tipp war gut und schon ging es

los. Vier Sorten Wein, von jeder Sorte 2 Flachen, darunter zwei Einliterflaschen, geteilt durch 12 Personen, das sind, ääh, Moment, zwei im Sinn …, nun, es wurde sehr lustig. So eine Fahrt macht Spaß, unser schönes Ried auf der anderen Rheinseite immer im Blick, die prächtigen Weinberge, toll. Bei einem schönen Aussichtspunkt hielten wir an und es gab „Worscht, Weck und Woi“. Nun schlug die Stunde unseres Gespannfahrers. Was mit philosophischen Ansätzen und bestimmt gut gemeinten Informationen über den Wein begann, ergoss sich in einen nicht enden wollenden Monolog. Ein Segen, als wir weiter fuhren. Zum Glück gab’s noch Wein. Nun hat man sich bei der Konstruktion eines solchen Planwagens sicherlich einiges gedacht. In der Wagenmitte ist über die Längsseite ein besonderer Tisch mit vielen Bohrungen in verschiedenen Größen montiert. Passend für die Weingläschen und den unterschiedlich großen Weinflaschen. Es ist interessant zu beobachten, mit welcher Beharrlichkeit so mancher versuchte, eine große Flasche in ein Loch mit kleinerem Durchmesser zu drücken. Bei einem Stopp am Oppenheimer Krötenbrunnen gab es Käse und Rotwein, alle waren ausgelassen und hatten Spaß. Nach insgesamt zweieinhalb Stunden Weinbergrundfahrt waren wir wieder an unserem Ausgangpunkt angekommen. Nero’s Steak und Meeresfrüchte Restaurant lag etwas oberhalb von Oppenheim. Festen Schrittes zog unsere Ausflugsgruppe dem kulinarischen Ziel entgegen. Das Lokal war wirklich schön gelegen, das Ambiente sehr beschaulich mit großen Gasträumen. Doch warum geleitete man uns in ein großes weißes Zelt? Wir kommen zwar von der anderen Rheinseite, aber erstens waren wir alle stubenrein, zweitens wollten wir kein Aufenthaltsrecht beantragen. Nun, das Essen war gut, die Bedienung stets präsent und auch sonst alles recht ordentlich und sauber. Vor der Heimreise muss ein Männergesangverein natürlich noch tun, was getan werden muss. Er singt, doch sollte man nicht für möglich halten, wie ein paar Fläschchen Wein eine Tonlage derart verschieben kann. Es war besser, dass wir im Zelt unter uns waren. Sonntagmorgen, 11. Oktober. Meine Frau und ich sitzen gemütlich beim Kaffee. Wir sind uns einig, es war ein sehr schöner Ausflug. Unser Vergnügungsausschuss hat sich wieder einmal etwas Schönes einfallen lassen und wir sind stolz auf ihn. Noch während des Kaffees treibt mich etwas um. Ich hole mein Smartphone und höre mich tatsächlich ins Mikro sagen: „Ok Google. Zeige mir die Geburtenstatistik Oppenheims seit 1960“.

Immer diese Radfahrer

MGV Liederkranz Büttelborn besucht am 2. August die Feuerwehr in Groß-Gerau

Warum muss es in den letzten Jahren immer am Tag unserer Radtour regnen? Eine Stunde vor dem Treffen am Pavillon klingelt das Telefon. Thomas ruft an, hast du dein Rad gut geölt? Ich, ja ich denke doch. Thomas, dann ist es ja gut, dann kannst du es beruhigt stehen lassen, wir haben beschlossen, dass wir bei dem Wetter mit dem Auto fahren. 18:00 Uhr am Pavillon. Neun Kameraden sind schon da, Drei haben ihren Wagen dabei. Weitere Neun kommen mit dem Rad, der Rest der Sänger ist im Urlaub. Es sind unsere härtesten unter den Sängern, die Eisenfresser, die Steinezerbeißer, die auch bei Sturm und 15 Grad Minus noch mit Shorts und Adiletten Rad fahren. Klasse Jungs, Faust nach oben – nee, die Telefonkette hat nicht geklappt. Es ist gerade eine Regenpause. Die mit dem Rad gekommen sind wollen nun auch mit dem Rad fahren. Die anderen gemütlich mit dem Auto. Treffpunkt ist um 18:45 Uhr auf dem Parkplatz der Groß-Gerauer Feuerwehr. Die Radfahrer fahren los. Wenn man gemütlich mit dem Rad fährt, benötigen sie so ca. 25 Minuten. Die mit dem Auto geben den Radler 15 Minuten Vorsprung, dann treffen wir gemeinsam ein. So wurde es generalstabsmäßig besprochen, so hat das zu funktionieren. 18:40 Uhr, die Autofahrer treffen auf dem Parkplatz ein. 18:45 Uhr, Carsten Wallisch, einer der Fünf hauptamtlichen Gerätewarte der Feuerwehr möchte uns schon begrüßen und ist froh darüber, dass wir ein paar Minuten früher hier sind. Halt, die Radfahrer fehlen noch, müssten eigentlich schon hier sein. 18:50 Uhr, wir machen uns Gedanken, denn wir hatten schon einmal einen Spezialisten der sich verfahren hat, aber von Büttelborn nach Groß-Gerau? 18:55 Uhr, wir erwägen die Feuerwehr zu informieren. 18:59 Uhr, die Radfahrer biegen auf den Parkplatz ein, leicht glasige Augen, süßlicher Geruch, oooh, hoffentlich kommen diese verräterischen Brüder auf der Heimfahrt in einen Regenschauer. Nun begrüßt uns Carsten Wallisch offiziell. Wir besuchten vor 5 Jahren schon einmal die Feuerwehr auf dem alten Stützpunkt. Der neue Stützpunkt den die Feuerwehr am 17.12.2013 mit einem Blaulichtkonvoi und Martinshorn bezog, ist beeindruckend. Herr Wallisch zeigte uns zunächst alle Räumlichkeiten am neuen Stützpunkt, der aufs Modernste ausgestattet ist. Einsatzräume, Besprechungs- und Schulungsräume ähnlich dem Vorlesungssaal einer Uni, kleinere Hallen zur Prüfung, Wartung, Reinigung und Pflege der Geräte und vieles mehr. Draußen regnet es wieder, klasse. Erstaunt waren wir auch über das Einsatzgebiet. Da der Stützpunkt in Teilabschnitten auch dem Katastrophenschutz des Landkreises zugeteilt ist, können Einsätze vom Saukopftunnel bei Weinheim bis beinahe Frankfurt vorkommen. Nicht schlecht für die Freiwillige Feuerwehr einer Kleinstadt. Die Ausbildung ist auf einem sehr hohen Niveau. Allerhöchste Anforderungen an die Physis und Psyche stellt die Übungsstrecke. Die Träger von Atemschutzgeräten müssen hier in voller Montur, Hitze und Dunkelheit einen Parkour bewältigen, der durch Enge, Lärm und Blitzlicht alles abverlangt. Nicht ungefährlich. Glücklicherweise ist das Ganze bestens überwacht. Es regnet noch, die armen Radler tun mir so leid. Natürlich bekamen wir zum Schluss von Carsten Wallisch auch die Führung durch die Gerätehalle mit allen Fahrzeugen am Standort und allen Geräten. Viele Jungs wollten in ihrer Kindheit einmal in einem Feuerwehrauto sitzen und so bekam der eine oder andere glänzende Augen. Nach gut eineinhalb Stunden bedankten wir uns bei Herrn Wallisch für diese großartige Führung und verabschiedeten uns dann. Draußen hat es aufgehört zu regnen – sie hätten es verdient, nunja wer wird den so gehässig sein, schade. Nächster halt – Dorfkrug Büttelborn. Kaum hatten wir die Autos eingeparkt, kamen auch schon die Radler um die Ecke, leider trocken. Nach gutem Essen, ein paar Bier und einem Versöhnungsschnaps klappt es auch wieder mit den Radlern. Es war wieder einmal sehr schön, danke an unseren Vergnügungsausschuss, aber das mit dem Wetter, das müsst ihr nun wirklich langsam lernen.